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Warum keine KI-Anwendung bei null anfangen sollte

Geschrieben von Ricardo Pla Pons | 15.09.2026, 17:48:44

In diesem Artikel untersucht Ricardo Pla Pons, wie gemeinsame KI-Grundlagen und KI-gestützte Bereitstellung wiederkehrende Arbeit bei Unternehmensanwendungen reduzieren können. Anhand des AI Hub von Mimacom zeigt er, wie dieser Ansatz die Time-to-Value verkürzt, die Governance stärkt und den Business Case für eine breitere Palette an Anwendungsfällen verbessert.

 

Wichtigste Erkenntnisse

  • Jeden KI-Anwendungsfall als eigenständiges Projekt zu behandeln, verursacht wiederkehrende Kosten für Technik, Governance und Wartung.
  • Gemeinsame Grundlagen verschaffen neuen Anwendungen einen Vorsprung, während KI-gestützte Bereitstellung die verbleibende Arbeit beschleunigt.
  • Schnellere Bereitstellung bringt funktionierende Lösungen früher zu den Nutzern und verkürzt so Time-to-Market und Time-to-Value gleichermassen.
  • Mimacom hat in sechs Monaten 13 Anwendungen entwickelt, spart dadurch 113 Stunden pro Woche und hat den Aufwand für die Bereitstellung in fünf Projekten um 66% reduziert.

KI-Projekte beginnen oft mit denselben grundlegenden Fragen: Welche Modelle darf die Anwendung nutzen? Wie greift sie auf Unternehmensdaten zu? Wer darf sie verwenden? Wie wird die Nutzung überwacht? Wie behält das Unternehmen Kosten, Risiko und Qualität im Griff?

Diese Fragen sind notwendig, aber sie für jede Anwendung einzeln zu beantworten, erzeugt einen erheblichen Mehraufwand bei der Bereitstellung. Teams verbringen Zeit damit, dieselben Grundlagen erneut aufzubauen, die Bereitstellung verlangsamt sich, und kleinere Anwendungsfälle lassen sich schwerer rechtfertigen, selbst wenn sie einen klaren operativen Nutzen haben.

Die eigentliche Chance geht über die schnellere Entwicklung einzelner KI-Anwendungen hinaus. Sie liegt darin, ein Bereitstellungsmodell zu schaffen, bei dem jede neue Anwendung von bereits geleisteter Arbeit profitiert, während KI Design und Aufbau der Lösung selbst beschleunigt. Mimacom hat diese Prinzipien mit dem eigenen AI Hub in die Praxis umgesetzt, der diese beiden Vorteile durch wiederverwendbare Grundlagen und KI-gestützte Softwareentwicklung miteinander verbindet.

In den folgenden Abschnitten zeige ich, an welchen Stellen wiederkehrender Aufwand in den Bereitstellungsprozess einfliesst und wie der AI Hub den Weg von der Idee zu messbarem Wert verkürzen kann. Am Ende haben Sie eine klarere Grundlage, um zu beurteilen, ob Ihr aktueller Ansatz skalierbar aufgebaut ist oder lediglich eine Reihe isolierter Anwendungsfälle hervorbringt.

Die versteckte Arbeit hinter einer KI-Anwendung

Wenn Menschen sich eine KI-Anwendung vorstellen, denken sie meist an den sichtbaren Teil, etwa einen Copilot, ein intelligentes Suchwerkzeug oder einen automatisierten Workflow. Die sichtbare Anwendung ist jedoch nur die oberste Schicht des Systems.

Bevor sie sicher und zuverlässig genutzt werden kann, müssen Teams oft festlegen, wo sie läuft, auf welche Daten sie zugreifen darf und wie Nutzer authentifiziert werden. Ausserdem müssen sie häufig Sicherheit und Governance, Modell-Routing, Retrieval und Memory, Observability sowie den Betrieb von Prompts und Agents aufbauen.

Engineering-Teams wissen genau, dass dies keine Nebensächlichkeiten sind. Sie entscheiden darüber, ob eine Anwendung über den Prototyp hinauskommt und in einem realen Geschäftsumfeld funktioniert. Ausserdem machen sie einen erheblichen Teil der Arbeit aus, die anfällt, bevor Nutzer überhaupt einen Nutzen erleben.

Die meisten Nutzer bekommen diese Arbeit nie zu sehen. Sie erkennen nur, ob die Anwendung eine hilfreiche Antwort liefert, eine Aufgabe erledigt oder ihnen zu einer besseren Entscheidung verhilft. Aus geschäftlicher Sicht werden jedoch bereits Zeit und Budget investiert, bevor die Anwendung überhaupt beginnt, das Problem zu lösen, für das sie entwickelt wurde.

 

Warum getrennte Projekte wiederkehrende Kosten verursachen

Diese versteckte Arbeit wird besonders teuer, wenn jeder KI-Anwendungsfall als isoliertes Projekt behandelt wird. Ein Team entwickelt vielleicht eine Methode, um Modelle mit internen Daten zu verbinden, während ein anderes eigene Zugriffskontrollen aufbaut und ein drittes einen separaten Ansatz zur Überwachung von Qualität, Nutzung und Kosten entwirft.

Jedes Projekt löst vielleicht sein unmittelbares Problem, aber das Unternehmen bezahlt für ähnliche Arbeit mehrfach. Wissen bleibt in einzelnen Teams gebunden, anstatt zu einer organisationsweiten Fähigkeit zu werden, die künftige Anwendungen unterstützen kann.

Diese Wiederholung kann auch zu Inkonsistenzen führen. Anwendungen nutzen dann unterschiedliche Sicherheitskontrollen, Integrationsmuster, Monitoring-Werkzeuge oder Governance-Prozesse, selbst wenn sie im selben Unternehmen laufen und auf ähnliche technische Fähigkeiten angewiesen sind.

Die Kosten beschränken sich nicht auf Entwicklungsstunden. Wiederholte technische Prüfungen können Freigaben verzögern, separate Infrastruktur kann den Wartungsaufwand erhöhen, und unterschiedliche Kontrollen erschweren die Aufsicht. Ein erfolgreicher Prototyp braucht mitunter auch umfangreiche Nacharbeit, bevor er breiter eingesetzt werden kann.

Das bedeutet nicht, dass jede KI-Anwendung dieselbe Architektur verwenden sollte. Ein kundenorientierter Assistent, ein internes Suchwerkzeug und ein autonomer Agent können sehr unterschiedliche Nutzer, Datenanforderungen und Risikoprofile haben.

Das Ziel ist deshalb nicht, alles zu standardisieren. Es geht darum, jene Fähigkeiten zu identifizieren, die nicht jedes Mal neu erfunden werden müssen, während jede Anwendung weiterhin genau auf den Workflow und den Geschäftsbedarf zugeschnitten bleibt, dem sie dient.

 

Eine gemeinsame Grundlage verschafft jeder Anwendung einen Vorsprung

Das ist der Gedanke hinter dem AI Hub. Der AI Hub ist Mimacoms Betriebsmodell für KI-native Softwareentwicklung. Er vereint gemeinsame technische Grundlagen, eine wiederverwendbare Plattform, KI-gestützte Entwicklungspraktiken und ein wachsendes Portfolio an Geschäftsanwendungen in einem einzigen Bereitstellungsansatz.

Statt jede Anwendung als neue technische Umgebung zu behandeln, bündelt der Hub gemeinsame Fähigkeiten in einem gemeinsamen Bereitstellungsmodell. Das Modell besteht aus vier miteinander verbundenen Schichten: Grundlagen, Plattform, Agents und Copilots sowie Lösungen. Die unteren Schichten stellen wiederverwendbare technische Fähigkeiten bereit, während die oberen Schichten sie auf konkrete Workflows und Nutzerbedürfnisse anwenden.

Die Grundlagen umfassen Bereiche wie Infrastruktur, Daten, Sicherheit, Governance, Identität und Zugriff. Die Plattform stellt Fähigkeiten bereit, darunter Modell-Gateways, Retrieval, Memory, Observability sowie den Betrieb von Prompts und Agents.

Die oberen Schichten nutzen diese Fähigkeiten, um Coding Agents, Domain Agents, eingebettete Copilots und massgeschneiderte KI-Produkte zu schaffen. Jede Anwendung löst weiterhin ein konkretes Geschäftsproblem, muss dafür aber nicht bei einer leeren Architektur beginnen.

Das reduziert den Einrichtungsaufwand, aber Wiederverwendung ist nur eine Quelle der Effizienz. Der AI Hub setzt KI zudem direkt in der gesamten Softwareentwicklung ein und unterstützt Aktivitäten wie Scoping, Coding, Testing und Iteration.

Teams integrieren KI in das fertige Produkt und nutzen sie zugleich, um das Produkt effizienter zu bauen. Wiederverwendbare Grundlagen reduzieren die Arbeit, die sich sonst wiederholen würde, während KI-gestützte Bereitstellung die Zeit für die verbleibende Arbeit verkürzt.

Zusammen verkürzen diese Vorteile die Time-to-Market, weil Teams funktionierende Lösungen früher veröffentlichen können. Noch wichtiger: Sie verkürzen die Time-to-Value, weil Nutzer die Anwendung früher im Investitionszyklus testen, Verbesserungen erkennen und messbaren Nutzen erzeugen können.

Man kann es so sehen: Viele von uns waren begeistert, als KI bedeutete, keine Stunden mehr mit dem Schreiben von Boilerplate-Code verbringen zu müssen. Der AI Hub wendet dieselbe Logik auf den gesamten Bereitstellungsprozess an und weitet die Effizienzgewinne über das reine Coding hinaus aus.

Das Ziel ist jedoch nicht Geschwindigkeit um ihrer selbst willen. Es geht darum, schneller zu belastbaren Erkenntnissen zu gelangen. Eine funktionierende Anwendung in den Händen der Nutzer zeigt, ob das Problem wichtig genug ist, ob die vorgeschlagene Lösung zum Workflow passt und ob weitere Investitionen gerechtfertigt sind.

 

Der Portfolioeffekt

Der stärkste Beleg für dieses Modell stammt aus dem internen Einsatz. Innerhalb von sechs Monaten hat Mimacom ein Portfolio an Unternehmensanwendungen aufgebaut, die verschiedene operative Bereiche des Unternehmens unterstützen, darunter Vertrieb, Talent-Management, Projektabwicklung, Demand-Management, Presales und Lieferantenprozesse.

Neun Anwendungen laufen bereits produktiv, zwei befinden sich im Early Access, und zwei weitere sind für die nächste Welle geplant. Jede Anwendung erfüllt einen konkreten Geschäftsbedarf und baut dabei auf einer gemeinsamen Grundlage auf.

Der Wert dieser gemeinsamen KI-Grundlage wird umso deutlicher, je grösser das Portfolio wird. Die erste Anwendung erfordert vielleicht neue Fähigkeiten, Bereitstellungsmuster oder Governance-Entscheidungen, während die nächste Anwendung von dieser Arbeit profitiert.

Mit der Zeit entwickeln Teams ein zuverlässigeres Verständnis dafür, wie man Daten anbindet, den Zugriff auf Modelle steuert, die Leistung überwacht und Anwendungen in die Produktion überführt. Jedes Projekt hat weiterhin seinen eigenen Zweck und eigene Anforderungen, muss aber nicht mehr jedes zugrunde liegende Problem eigenständig lösen.

Das Ergebnis ist ein kumulativer Vorteil. Frühere Investitionen kommen weiterhin neuen Anwendungen zugute, statt in einem einzelnen Projekt gebunden zu bleiben, und erhöhen so den Ertrag der bereits vorhandenen Grundlagen.

 

Wie sich die Wirtschaftlichkeit kleinerer Anwendungsfälle verändert

Viele operative Probleme sind leicht zu erkennen, aber schwer als eigenständiges Softwareprojekt zu rechtfertigen. Eine Aufgabe kann einen Mitarbeitenden 45 Minuten kosten, eine Prüfung mehrere Stunden dauern, oder ein Reporting-Prozess hängt vom manuellen Kopieren von Informationen zwischen Tabellen ab.

Die Ineffizienz ist real, aber der erwartete Ertrag rechtfertigt oft kein klassisches Entwicklungsprojekt mit eigener Infrastruktur, Integrationen, Sicherheitsprüfungen und laufender Wartung. Kleinere Chancen bleiben deshalb im Backlog liegen, selbst wenn sie die tägliche Arbeit beeinträchtigen.

Gemeinsame Grundlagen und KI-gestützte Bereitstellung verändern diese Rechnung. Sinken Kosten und Aufwand, um zu einer funktionierenden Anwendung zu gelangen, wird eine breitere Palette an Anwendungsfällen testbar.

Die Ergebnisse im Portfolio des AI Hub zeigen, was das in der Praxis bedeuten kann:

Aufgabe

Vorher

Nachher

Talent Letter Editor

1 Stunde

20 Minuten

Prüfung der Security Checklist

6 Stunden

10 Minuten

Suche in der Talent Vault

45 Minuten

3 Minuten

Import eines neuen Profils

1 Stunde

10 Minuten

Project Health KPIs aus Excel

1 Stunde

15 Minuten

Einzeln betrachtet wirken diese Verbesserungen wie kleine Prozessoptimierungen, doch bei regelmässiger Nutzung summieren sie sich auf 113 eingesparte Stunden pro Woche in ausgewählten Talent-, Profil- und Prozessworkflows.

Der Nutzen geht über die reine Zeitersparnis bei einzelnen Aufgaben hinaus. Mitarbeitende erhalten Informationen schneller, Prüfungen kommen zügiger voran, und qualifizierte Fachkräfte verbringen weniger Zeit mit dem manuellen Suchen, Kopieren oder Prüfen von Informationen.

Dasselbe Bereitstellungsmodell verändert auch, welche Ideen es wert sind, verfolgt zu werden. Nicht jeder Anwendungsfall erweist sich als wertvoll, aber geringere Testkosten machen es möglich, das anhand von Belegen statt Annahmen festzustellen.

 

Governance sollte die Bereitstellung beschleunigen

Bei allem Tempo lässt sich kein glaubwürdiges Argument für Geschwindigkeit vorbringen, ohne die Notwendigkeit von Kontrolle anzuerkennen. Während der Druck zur KI-Transformation anhält, ist Governance zu einem der zentralen Themen rund um Unternehmens-KI geworden. Der Druck, schneller zu werden, ist real, aber ebenso real sind die Fragen zu Datenzugriff, Modellverhalten, Verantwortlichkeit, Kosten und regulatorischem Risiko.

Deshalb muss Governance im Zentrum des Bereitstellungsmodells stehen und darf nicht erst als abschliessende Prüfung erscheinen, nachdem eine Anwendung bereits gebaut wurde. Wenn jedes Projekt eigene Kontrollen und Prüfprozesse aufbaut, wiederholt das Unternehmen Arbeit, die früher hätte erledigt werden können. Governance erst nach Abschluss eines Prototyps zu ergänzen, kann zudem zu Verzögerungen, umfangreichen Neuentwürfen oder einer Lösung führen, die nicht in Produktion gehen kann.

 

Eine gemeinsame Grundlage bietet hier einen praktikableren Ansatz. Im AI Hub von Mimacom liegen Sicherheit, Governance, Identität, Zugriff und Observability unterhalb der Anwendungsschicht, sodass diese Anforderungen die Bereitstellung von Anfang an prägen, statt erst später ergänzt zu werden.

Das macht nicht jede Freigabe automatisch oder jedes Risiko identisch. Es schafft jedoch einen konsistenteren Ausgangspunkt, der es Teams erlaubt, Ideen innerhalb definierter Grenzen zu testen, während Spezialisten die Aufsicht über jene Fähigkeiten behalten, die zentrale Kontrolle erfordern.

Erfolgreiche Prototypen haben dann einen klareren Weg in die Produktion, weil zentrale operative und Governance-Anforderungen bereits berücksichtigt wurden. Richtig umgesetzt, unterstützt Governance Geschwindigkeit, indem sie Unsicherheit reduziert und vermeidbare Nacharbeit verhindert.

 

Ist Ihr KI-Bereitstellungsmodell auf Skalierung ausgelegt?

Ein Unternehmen kann mehrere erfolgreiche KI-Anwendungen bauen, ohne über ein wiederholbares Bereitstellungsmodell zu verfügen. Das Problem zeigt sich meist erst, wenn die Nachfrage wächst und Teams erneut beginnen, dieselben Fragen zu Daten, Zugriff, Governance und Monitoring zu lösen.

An diesem Punkt zeigt sich die eigentliche Bewährungsprobe: Stärkt jedes Projekt die Fähigkeit des Unternehmens, das nächste zu liefern? Gemeinsame Grundlagen können wiederkehrenden Einrichtungsaufwand beseitigen, während KI-gestützte Bereitstellung die verbleibende Arbeit beschleunigt. Der AI Hub von Mimacom bringt diese Elemente zusammen. In fünf Projekten wurde Arbeit, die traditionell auf 3.360 Stunden geschätzt wurde, in 1.146 Stunden abgeschlossen, eine Reduktion um 66%.

Am Ende ist der erste Test für ein skalierbares KI-Bereitstellungsmodell einfach: Beginnt jede neue Anwendung damit, dieselbe Arbeit zu wiederholen, oder profitiert sie von Fähigkeiten und Wissen, die das Unternehmen bereits aufgebaut hat?

Das Ziel ist nicht, jede Anwendung zu standardisieren. Es geht darum, aufzuhören, das neu zu bauen, was nicht einzigartig sein muss, damit jeder neue Anwendungsfall schneller Wert schafft.