In meiner Arbeit mit globalen Fertigungs- und Industrieunternehmen begegnet mir ein Muster immer wieder: Die Frage nach Material Compliance wird intern meist als Kostenfaktor behandelt, als notwendiges Übel, das Ressourcen bindet, ohne sichtbaren Mehrwert zu schaffen. Ich halte diese Sichtweise für einen strategischen Fehler.
Wer heute in der Fertigungsindustrie tätig ist, kennt die Entwicklung. Die regulatorischen Anforderungen werden nicht weniger, sie werden komplexer, vernetzter und zeitkritischer.
Hinzu kommt: Geopolitische Instabilität und der anhaltende Halbleitermangel setzen Beschaffungsmärkte zusätzlich unter Druck. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, nicht nur compliant zu sein, sondern compliant zu bleiben: in Echtzeit, entlang einer mehrschichtigen globalen Lieferkette.
Was ich in Gesprächen mit Führungskräften aus Operations, Procurement und Engineering regelmäßig höre: Die eigentliche Herausforderung ist nicht das Wissen um die Anforderungen. Es ist die Datengrundlage.
Materialdaten stecken typischerweise in:
ERP-Systemen – mit unvollständigen Materialstammdaten
PLM-Lösungen – ohne direkte Verbindung zur Compliance-Logik
Excel-Tabellen – manuell gepflegt, fehleranfällig, nicht versioniert
Lieferantenportalen – mit unterschiedlichen Formaten und Qualitätsniveaus
Externen Datenbanken – IMDS, SCIP, REACH-Listen – ohne automatisierten Abgleich
Das Ergebnis sind manuelle Abstimmungsprozesse, die Wochen dauern, Fehlerrisiken, die unterschätzt werden, und eine Reaktionsgeschwindigkeit auf neue Vorschriften, die schlicht zu gering ist.