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Material Compliance als strategischer Wettbewerbsvorteil

Geschrieben von Markus Böhm | 26.03.2026 13:47:22

Key Takeaways

    • Die regulatorische Komplexität für Fertigungsunternehmen wächst schneller als die meisten IT-Landschaften mithalten können.
    • Fragmentierte Materialdaten sind das größte operative Risiko – nicht fehlende Regulierungskenntnis.
    • Bis zu 80 % der manuellen Datenabstimmung lassen sich durch eine integrierte Compliance-Plattform automatisieren.
    • Material Compliance wird zunehmend zur strategischen Steuerungsgröße mit direktem Einfluss auf Sourcing, Produktentwicklung und Marktzugang.
    • Der Digital Product Passport ist keine Zukunftsvision mehr, die technische Datengrundlage jedoch oftmals nicht bereit

In meiner Arbeit mit globalen Fertigungs- und Industrieunternehmen begegnet mir ein Muster immer wieder: Die Frage nach Material Compliance wird intern meist als Kostenfaktor behandelt, als notwendiges Übel, das Ressourcen bindet, ohne sichtbaren Mehrwert zu schaffen. Ich halte diese Sichtweise für einen strategischen Fehler.

Der Druck steigt – und er kommt von mehreren Seiten gleichzeitig

Wer heute in der Fertigungsindustrie tätig ist, kennt die Entwicklung. Die regulatorischen Anforderungen werden nicht weniger, sie werden komplexer, vernetzter und zeitkritischer.

Hinzu kommt: Geopolitische Instabilität und der anhaltende Halbleitermangel setzen Beschaffungsmärkte zusätzlich unter Druck. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, nicht nur compliant zu sein, sondern compliant zu bleiben: in Echtzeit, entlang einer mehrschichtigen globalen Lieferkette.

Das eigentliche Problem ist nicht das Wissen um Anforderungen, sondern die Daten

Was ich in Gesprächen mit Führungskräften aus Operations, Procurement und Engineering regelmäßig höre: Die eigentliche Herausforderung ist nicht das Wissen um die Anforderungen. Es ist die Datengrundlage.

Materialdaten stecken typischerweise in:

  • ERP-Systemen – mit unvollständigen Materialstammdaten

  • PLM-Lösungen – ohne direkte Verbindung zur Compliance-Logik

  • Excel-Tabellen – manuell gepflegt, fehleranfällig, nicht versioniert

  • Lieferantenportalen – mit unterschiedlichen Formaten und Qualitätsniveaus

  • Externen Datenbanken – IMDS, SCIP, REACH-Listen – ohne automatisierten Abgleich

Das Ergebnis sind manuelle Abstimmungsprozesse, die Wochen dauern, Fehlerrisiken, die unterschätzt werden, und eine Reaktionsgeschwindigkeit auf neue Vorschriften, die schlicht zu gering ist.